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geballte Frauenpower
Dr. Jekyll & Mr. Hyde Magdeburg 22.04.2011
Im Rahmen der 1. Magdeburger Musicaltage (von Gründonnerstag bis Ostermontag) gab es im Magdeburger Opernhaus Musiktheater vom Feinsten zu sehen und zu hören. Ich hatte die Gelegenheit die Vorstellung von „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ sowie die Musical-Gala der Musicaltage besuchen zu können. Der Bericht der Musical-Gala (mit Yngve Gasoy-Romdal, Leah Delos Santos und Carin Filipcic) befindet sich unter „Konzerte“.
Die Vorstellung von „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ war sehr, sehr gut. Das Magdeburger Theater zeichnet sich durch ein ungewöhnlich großes Orchester aus, entsprechend war der Sound der opulenten Musik von Frank Wildhorn. Ferner steht in Magdeburg immer ein großes Ensemble auf der Bühne, das eine ebensolche Wirkung erzielt. Die „hauseigenen“ Darsteller der Opern- und Musicalriege werden ergänzt durch Stars der Musicalszene. In „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“: Leah Delos Santos als Lisa, Katherine Mehrling als Lucy und Yngve Gasoy-Romdal als Henry Jekyll. Alle drei sind absolute Könner. Yngve Gasoy-Romdal ist ein Routinier in der Rolle des Dr. Jekyll, begann er doch schon 2003 in Köln diese Rolle zu kreieren. Er hat darin eine gewisse Perfektion erreicht. Der Wahnsinn stand ihm schon vor der Verwandlung in Edward Hyde in den Augen. Die Transformation vollzog er gekonnt. Er hat eine sehr markante Stimme. Nie zuvor habe ich eine solche Stimmfärbung gehört. Er ist einzigartig.
Leah Delos Santos ist genau wie Katherine Mehrling ein Stimmwunder. Es war geballte Frauenpower, die diesen Abend beherrschte. Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn so „kleine“ Frauen so große Stimmen haben. Beide sind beeindruckende Darstellerinnen. Leider hat Leah Delos Santos als Lisa Carew weniger Entfaltungsmöglichkeiten als Katherine Mehrling in der Rolle der Lucy Harris. Leah Delos Santos holte aber das Optimum aus ihrer Rolle heraus. Katherine Mehrling verkörperte ALLES: sie war stark, schwach, verführerisch, verletzlich, ängstlich, mutig – wie gesagt, alles in einem. Das einzige Manko in ihrem Zusammenspiel mit Yngve Gasoy-Romdal war, dass es nicht ganz klar wurde, warum Lucy Edward Hyde so verfallen ist, wo er sie doch nur verletzt und demütigt. Es ist ja nicht nur Angst, die sie treibt. So blieben uns die beiden den „Schlüssel“ zum „Gefährlichen Spiel“ schuldig, aber ansonsten waren beide, meiner Meinung nach, phänomenal.
Bühnentechnisch gab es ein paar schöne Effekte während der Vorstellung. Das Bühnenbild war ohnehin beeindruckend. Die ganze Bühne wurde von oben bis unten voll ausgenutzt.
Es war eine tolle Inszenierung in Magdeburg. Einzig in den Massenszenen, wie z.B. in „Fassade“ zu Beginn des Stücks hätte ich mir stimmlich vom Ensemble noch ein wenig mehr Power gewünscht. Wenn da schon so viele Sänger auf der Bühne stehen, hätten sie ruhig ein wenig mehr Gas geben können.
Sonst gibt es aber absolut nichts zu kritisieren. Es war ein wunderbarer Abend. Ich wünsche den neu geschaffenen Magdeburger Musicaltagen großen Erfolg in dieser Spielzeit und natürlich auch zukünftig ein langes Fortbestehen.
