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Elisabeth-Legende einer Heiligen

es war ein kurzweiliger Nachmittag

Elisabeth – Legende einer Heiligen 27.12.2009

Es war ein kurzweiliger Nachmittag in Marburg. Das Stück „Elisabeth – Legende einer Heiligen“, welches das Leben der Elisabeth von Thüringen verarbeitet, ist ein guter Stoff für ein dramatisches Musical. Es beinhaltet alles, was ein solches Werk benötigt: große Gefühle - Liebe und Hass, Hofintrigen, bedingungslose Opferbereitschaft, fanatischen Glauben und noch vieles mehr.
Die Musik ist flott, zuweilen mittelalterlich angehaucht, aber auch Pop- und Swing-Elemente haben ihren Anteil an den Melodien. Ich fand die Musik auf Anhieb sehr gut. Sie ist eingängig und bleibt haften. Mein persönlicher Favorit ist der Song „Du rettest die Welt für mich“. Mein Kompliment an die Komponisten Dennis Martin und Peter Scholz.
Die Dramaturgie des Werkes wird im 1. Akt perfekt entwickelt. Ich war richtig „mitgenommen“. Der 2. Akt war mir persönlich nicht schlüssig genug. Ich blieb nach dem 2. Teil mit einigen offenen Fragen zurück. Dort werden bestimmte essentielle Sachverhalte nicht konkret genug herausgearbeitet, so zum Beispiel der immer stärker werdende Konflikt zwischen Elisabeth und Ihrem Meister Konrad von Marburg, der inzwischen nicht mehr nur Armut und Buße predigt, sondern mittlerweile auch Großinquisitor geworden ist und in Deutschland die Scheiterhaufen brennen lässt. Hier hätte ich mir mehr gewünscht. Eine weitere Szene, noch ein Lied, welche zeigen, dass aus Elisabeths blindem Gehorsam gegenüber Konrad von Marburg, ihrem Lehrmeister, tiefe Verachtung geworden ist.
Ohne Zweifel lebt dieses Musical von seinen Hauptdarstellern. Da gibt es einen charismatischen, ungemein kraftvoll singenden Chris Murray in der Rolle des Predigers Konrad von Marburg. Was hat dieser Mann für eine Stimme! Daneben agiert eine für ihre Ideale kämpfende, jedoch ständig mit der Welt hadernde Elisabeth von Thüringen. Dargestellt wird sie sehr überzeugend von Kerstin Löcker. Auch ihre Stimme hat mich sehr beeindruckt. Einzig hätte ich mir von ihr als Elisabeth auch mal ein kleines Lächeln gewünscht, denn ihr großartiges Tun, ihr Werk, muss auch Elisabeth zuweilen Genugtuung verschafft haben. Kerstin Löcker beließ es bei einer beständig leidenden Elisabeth, die immer nur verzweifelt aussieht.
Lucius Wolter als Ludwig von Thüringen ist ein echter (Märchen-) Prinz. Sein Schauspiel ist fein nuanciert, seine Stimme sanft. Nur im Duett mit Elisabeth hätte ich mir von ihm eine tiefere Tonlage gewünscht. Er singt höher als die Frauenstimme, das klang etwas sonderbar.
Christian Schöne als Heinrich Raspe, Ludwigs Bruder, ist wirklich schön, dazu ein fieser, intriganter, machthungriger Fürstensohn (allerdings nur der Zweitgeborene) in Gestalt eines blonden Engels. Er hat sehr gut gespielt und ebenso gut gesungen.
Selbiges gilt auch für Mara Dorn in der Rolle der Landgräfin Sophie.
Besonders hervorzuheben sind außerdem die „Erzähler“, die Darsteller zweier Persönlichkeiten, nämlich Wolfram von Eschenbach und Walter von der Vogelweide, gespielt von Jesse Garon und Dietmar Ziegler. Ihr Zusammenspiel, das gegenseitige „Sich-Necken“, ihre Kommentare, die Einschätzungen und Ausblicke, die sie geben, verleihen dem Stück eine besondere Note.
Das Musical geizt auch nicht mit großen Ensemblenummern. Die Tanzszenen waren für mich nicht so atemberaubend, jedoch, wann immer das gesamte Ensemble dazu gesanglich auftrat, ging es unter die Haut.
Die Kostüme und das Bühnenbild waren funktional, aber auch schön. Natürlich wird bei einer solchen Tournee Produktion nicht so aus den Vollen geschöpft wie anderswo. So gab es auch kein Live-Orchester, sondern die Musik lief vom Band. Die Technik hatte klein(st)e Schwierigkeiten mit dem Ton an einigen, wenigen Stellen, aber sonst war es ein rundum gelungener Musicalbesuch.
Zum Thema des Stücks passend, sammelten nach der Vorstellung die Darsteller im Foyer Spenden für die Jose-Carreras-Stiftung. Auch das fand ich bemerkenswert…

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