Benefiz-Gala Oberhausen

ein toller Abend, sehr kreativ

Benefiz-Gala „Helfen heißt Handeln“ Oberhausen 10.11.2009

Es war ein toller Abend, sehr kreativ, nicht perfekt, was aber nicht schlimm war, kein „Kracher“, was aber ja nicht immer der Fall sein muss. Der Abend hat jedenfalls vielen Zuschauern, das Metronom-Theater war fast ausverkauft, viel Freude bereitet und eine große Summe für die Hilfsorganisation Inter Educare zusammengebracht, nämlich 35.000 EUR.
Die Spielfreude der Darsteller war im 1. Teil der Veranstaltung noch etwas gebremst, sprich wurde noch zurückgehalten, um dann im 2. Teil des Konzerts voll auszubrechen. Ich fand es sehr schön, dass eher unbekanntere Lieder aus, zumindest in Deutschland nicht so populären, Musicals vorgetragen wurden. Und das nicht nur akustisch und visuell, sondern auch der Geruchssinn wurde (extrem) angesprochen – durch den Weihrauch versprengenden Florian Fetterle, der dazu ein Lied aus „Der Glöckner von Notre Dame“ sang. Hier knüpfe ich auch gleich an, denn Florian Fetterle war einer der Künstler, der mir an diesem Abend besonders gut gefallen hat. Er hat eine kraftvolle Stimme und ist komödiantisch sowie „ernst“ vielseitig einsetzbar. Köstlich war sein Duett „17 Jahr, blondes Haar“ mit Martine de Jager im Hairspray-Block. Auch Nele-Liis Vaiksoo hat mich ganz und gar überzeugt. Sie sang toll, spielte gut und konnte ihre Vielseitigkeit in ihren verschieden „Rollen“ voll unter Beweis stellen. Weiterhin möchte ich Riccardo Greco und Sabrina Auer hervorheben. Was für Stimmen !!! Was für ein Volumen, was für eine Power bei Sabrina – was für ein wunderschönes Timbre in Riccardos Stimme. Es waren aber sooo viele Darsteller gut – verdammt gut: Eva Maria Bender, Kym Boysen, Krisha Dalke, Linda Konrad, Ross Mc Dermott, Sanne Mieloo, Sven Prüwer, Christian Stadlhofer, Jacub Wocial – um hier nur einige zu nennen. Es hat riesigen Spaß gemacht sie einmal ohne Kostüm in ganz anderen „Rollen“ bewundern zu können. Es waren diesmal mehr die Nebendarsteller aus dem „Tanz der Vampire“, die im Rampenlicht standen. Auch das verdient allergrößtes Lob, denn es wäre zu einfach gewesen nur Jan Ammann (unter dem Gekreisch der Teenies) und Kevin Tarte in jedem 2. Lied auftreten zu lassen. Auch sie haben ihren Beitrag zu dieser Gala geleistet, waren aber diesmal nicht die Protagonisten. Sie haben beide ebenfalls super gesungen, alleine besser als zusammen. In ihren Duette, die dennoch beeindruckend waren (aufgrund der „Gewalt“ Ihrer Stimmen), fehlte etwas die Konformität.
Der 2. Teil des Konzerts bot viel Lustiges, der 1. Teil war etwas seriöser gehalten. Der 2. Teil begann mit einem sich hebenden Vorhang, unter dem hübsche Frauenbeine zum Vorschein kamen. Warum aber waren diese teilweise ganz schön muskulös? Richtig – auf der Bühne standen imposante Drag-Queens. Die männlichen Ensemble-Mitglieder aus dem „Tanz der Vampire“ waren wunderbar „zurechtgemacht“ und schafften sogar eine ordentliche Choreographie auf ihren high heels. Dafür ernteten sie tosenden Applaus. Besonderer Höhepunkt war im Anschluss ein Block aus drei Musicalsongs mal etwas anders dargebracht, nämlich nicht klassisch, sondern als kleines Rockkonzert. Krisha Dalke sang „I could have danced all night“, Jan Ammann rockte „Phantom der Oper“ und Linda Konrad schloss eine tolle Vorstellung von “Defying Gravity” an.
Etwas hat mir trotz allem Esprit und Spaß ein wenig gefehlt. Ich hätte mir jemanden gewünscht, der etwas zu den einzelnen Stücken erzählt, der ein wenig durchs Programm führt, so dass sich ein roter Faden ergibt. So hätte man auch mehr (oder öfter) auf die Arbeit von Inter Educare hinweisen können, was so nur ein bisschen am Rande durch eine kleine Ansprache von Gabriele Ramm, der Initiatorin des Konzerts und Begründerin der Hilfsorganisation, geschah.
Kritisch sehe ich die Leistung der Tontechnik an diesem Abend. Oft waren zu Beginn der Lieder die Mikrofone nicht offen, so dass die Darsteller zunächst nicht zu hören waren. Auch gab es ein paar unerwünschte Nebengeräusche aus den Lautsprechern.
Ferner hätte ich mir mehr deutsche, statt fast nur englische, Lieder gewünscht. Einfach, um mehr vom Text „mitnehmen“ zu können.
Alles in allem war es aber eine wirklich gelungene Regiearbeit von Michel Driesse. Schade war, dass der Schlussapplaus vom Theater relativ kurz gehalten wurde und es keine Zugabe gab.
P.S.: Die super Leistung der Tänzer habe ich noch nicht erwähnt…
Und ein bisschen Promotion für Stage Entertainment war auch mit dabei, denn die „Hairspray“-Einlage hat Lust auf mehr gemacht (ab Dezember im Musical-Dome in Köln).

 

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