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es geht noch mehr
Tanz der Vampire Wien 19.11.2010
Er ist einer der großartigsten Musicaldarsteller, die ich kenne: Drew Sarich. Am 06.11. trat er im Wiener Ronacher die Nachfolge von Thomas Borchert als Graf von Krolock an. Ein schweres Erbe, aber wenn jemand an die geniale Leistung des Thomas Borchert als Vampigraf herankommen kann, dann Drew Sarich.
Ich hatte die Gelegenheit „Tanz der Vampire“ in Wien am 19.11. anschauen zu können. In den Hauptrollen:
Graf von Krolock – Drew Sarich, Alfred – Lukas Perman, Sarah – Marjan Shaki, Professor Abronsius – Gernot Kranner, Magda – Melanie Ortner
Lukas Perman und Marjan Shaki sind nicht nur privat ein wundervolles Paar, auch auf der Bühne harmonieren sie ausgezeichnet. Lukas Perman als Alfred war herrlich naiv und trottelig. Marjan Shaki war zunächst ein bisschen schüchtern, wandelte sich aber dann zu einer koketten Sarah, die allen Mut zusammennimmt, um der Einladung des Grafen zu folgen. Stimmlich sind beide große Klasse. Von Marjan Shakis Mimik war ich äußerst angetan. Ihr Minenspiel ist sehr ausdrucksstark, auch dank ihrer schönen, großen Augen.
Melanie Ortner als Magda war ebenfalls super und legte ein tolles Solo hin - mit „Tot zu sein ist komisch“. Ich dachte immer die Rolle der Magda muss ein bisschen korpulent besetzt sein. Doch dem ist nicht so. Die schlanke Melanie Ortner konnte die Rolle bestens ausfüllen.
Florian Theiler und Partnerin tanzten die „Roten Stiefel“ hervorragend. Auch in der Nightmare-Szene überzeugte Florian Theiler voll und ganz. Er ist dynamisch, athletisch – ein beeindruckender (Black) Vampir(e).
Drew Sarich gibt als Graf von Krolock optisch eine äußerst gute Figur ab. Er ist groß und schön. Er zieht sofort in seinen Bann, wenn er langsam in seinem tollen Kostüm über die Bühne schreitet. Seine Schuhe gefielen mir besonders gut. Überhaupt finde ich die neuen Kostüme, nicht nur beim Grafen, sehr, sehr schön.
Im 1. Akt fand ich Drew Sarich noch etwas verhalten, im 2. Akt drehte er dann voll auf. Zunächst bei der „Totalen Finsternis“, dann natürlich bei der „Unstillbaren Gier“ (wo er einen kleinen unwesentlichen Texthänger hatte), zuletzt im Ballsaal. Sein Gesang ist klar und präzise, natürlich ohne jeden Akzent. Sein Schauspiel zeichnete sich besonders dadurch aus, dass er neben großen Gesten, die der Graf häufig benutzt, auch feine Nuancen in seine Darstellung einbringt. So fand ich es großartig, dass vor dem „großen Biss“ im Ballsaal kurz sein Gewissen aufblitzt.
Trotz sehr guter Leistung bin ich sicher, dass bei Drew Sarich noch mehr geht. Ehrlich gesagt war ich an diesem Abend von seiner Darstellung noch nicht ganz überzeugt, was möglicherweise an den überirdisch hohen Erwartungen liegt, die ich an Drew Sarich stelle - dank seiner perfekten Rudolf-Performance. Trotzdem bin ich sicher, dass er zukünftig aus der Rolle noch viel mehr herausholen wird. Das sonst ihm so zueigne Charisma hat noch gefehlt. So steht dann wohl ein weiterer Besuch bei den Vampiren an, um Drew Sarichs künftige Entwicklung zu beobachten. Ich freu mich drauf!
wow !
Tanz der Vampire 08.06.2010
Soll ich oder nicht? Nach Wien zum „Tanz der Vampire“ (TDV) fahren? Wieder etwas darüber schreiben? Ich habe TDV jetzt so oft in Hamburg, Berlin und Oberhausen gesehen und schon den einen oder anderen Bericht dazu abgeliefert. Lohnt es sich noch oder wird es vielleicht irgendwann langweilig?
EGAL – ICH MACHS!
Ich reiste also nach Wien und freute mich als Grafen auf den charismatischen Thomas Borchert. So war ich erst einmal sehr überrascht, als ich im Foyer des Ronacher auf der Besetzungsliste den Namen Alexander di Capri als Darsteller des Grafen vorfand. Einen kleinen Moment lang war ich enttäuscht, doch dann erinnerte ich mich an Alexander di Capris großartige Darstellung des Dr. Jekyll und Mr. Hyde bei den Burgfestspielen Bad Vilbel 2008.
„Er könnte einen guten Grafen abgeben“, dachte ich…
Ich ließ mich überraschen. Und, um es vorwegzunehmen: ich wurde auf ganzer Linie überzeugt. Ein Graf, der alles hat: Aussehen, Stimme, Kraft, Charisma.
Ein Graf, der lächelt. Ich hätte es mir früher nie vorstellen können. Für mich musste der Graf immer ernst und finster dreinblicken. Aber Alexander di Capri gibt der Figur des Grafen ganz andere, neue Züge. Ich fand seine Darstellung, sowohl, was die lauten, als auch, was die sanften Töne anbelangt, klasse.
Er könnte nur ein paar Zentimeter größer sein…
Mit Marjan Shaki harmonierte er hervorragend. Nicht nur was die Größe anbelangt (Marjan ist ja eher klein), auch schauspielerisch und gesanglich ergänzten sich beide sehr gut.
Marjan Shaki war zunächst eine etwas schüchterne, naive Sarah, die sich dann wandelte und kecker wurde. Schließlich hatte Sie das große Ziel vor Augen, nämlich den Grafen erobern zu wollen. Sie gefiel mir auch stimmlich ausnehmend gut.
Gernot Kranner, den Ur-Abronsius schätze ich sehr wegen seiner vielfältigen Fähigkeiten, jedoch gefiel mir seine undeutliche Aussprache beim Gesang diesmal ganz und gar nicht. Für mich als Vielseher des Stücks sind die Texte der Lieder ja kein Problem, aber was ist mit den Erstbesuchern? Die wollen doch auch verstehen, was gesungen wird. Sorry, Gernot, das mag zwar dein Stilmittel sein den trotteligen, etwas senilen Professor Abronsius zu charakterisieren, aber es geht zu Lasten der auch textlich tollen Songs beim TDV.
Alfred hingegen war wiederum ein echtes Highlight. Er wurde gespielt von Gernot Romic, der sonst, so wie ich las, im Tanzensemble tätig ist. Wow! Ein Allrounder. Er war richtig gut, gesanglich und schauspielerisch. Er zeigte alles, was einen guten Alfred, meiner Meinung nach, ausmacht – von kindlicher Naivität bis hin zu wilder Entschlossenheit. Und dass er ein „wilder“ Tänzer ist, konnte man in der neu gestalteten Abschlussszene sehen, wo er und Marjan Shaki eine flotte Sohle aufs Parkett legten. Mein Kompliment! Ich hoffe von diesem jungen Darsteller noch mehr zu hören und zu sehen.
Zur Rolle des Koukol möchte ich folgendes sagen: es gibt eine Erkenntnis! Ich hätte nie gedacht, dass es einen Koukol neben Stefan Büdenbender, der diese Rolle seit 2003, seit Hamburger Tagen, innehat, geben kann. Aber ES GIBT EINEN ANDEREN, der diese Rolle ebenso gut spielt – mit seiner eigenen, sehr persönlichen Note: Thomas Weissengruber. Er war toll.
Genau wie Marc Liebisch als Herbert, der ebenfalls seine ganz eigene Interpretation des Herbert zum Besten gab. Er spielte den schwulen Herbert nicht so tuntig wie es andere Darsteller tun. Er zeigte ihn sehr aggressiv und ließ ihn dadurch männlicher wirken. Ich fand diese Variante sehr, sehr gut. Auch gesanglich war Marc Liebisch top.
Die Tanzsolisten des „Rote Stiefel-Solos“ waren genial und verdienen deshalb auch besondere Erwähnung in diesem Bericht. Eine süße, leichtfüßige, quirlige Marcella Morelli stand einem kraftvollen, athletischen, bedrohlichen Csaba Nagy gegenüber.
Auch die „Nightmare-Solisten“, Sven Fliege und Kai Hüsen waren super. Beide haben tolle Stimmen.
Alles in allem ist der neue Wiener TDV eine wirklich gelungene Show, die auch von ihren Kostümen und dem großartigen Bühnenbild lebt. Beides wurde ja für diese Wiener Inszenierung neu gestaltet. Besonders beeindruckt hat mich die Treppe im Schloss, auf der der Graf am Anfang bei „Totale Finsternis“ steht. Sie wirkt groß, ja fast unendlich – richtig imposant.
Nur die Perücken einiger Ensembledarsteller waren entweder schlecht gemacht oder schlecht sitzend. Das sah teilweise nicht ganz professionell aus. Die Kostüme in der neu aufgelegten Abschlussszene, alle Darsteller im Gothic-Look, fand ich prinzipiell gut. Sie bringen frischen Wind. Bei einigen Kostümen wäre jedoch etwas weniger mehr gewesen. Nichts desto trotz finde ich das veränderte Ende, in dem der Graf noch zweimal auf einem Podium zunächst ab- und dann wieder auf der Bühne auftaucht (vor den verschwindenden Bergen Transsylvaniens und der aufziehenden Kulisse Wiens), sehr gelungen.
Ich bin ohnehin der Meinung, dass die etwas „angestaubte“ Urfassung des TDV ein wenig mehr Zeitgeist gut gebrauchen kann. Vielleicht kann man zukünftig noch mehr Szenen verändern und so das Stück weiter aufwerten.
Hier werden die Traditionalisten, zu denen ich ansonsten eigentlich auch gehöre, aufschreien, aber beim TDV glaube ich, dass weitere Veränderungen das Stück zukünftig noch attraktiver machen können und ihm eine lange (Über-) Lebensdauer sichern werden.
In diesem Sinne bewerte ich die neue Plakatwerbung für die Stuttgarter Aufführung des TDV als sehr innovativ. Die dortigen TDV-Werbeplakate zeigen neben Sarah einen jungen, verführerischen Grafen (=Jan Ammann), keinen älteren Herrn. Das Plakat geht ein bisschen in Richtung des Romans „Twilight“ von Stephenie Meyer und ist ein gutes Marketinginstrument Twilight-Fans, die ja zumeist sehr jung sind, als zukünftigen Zuschauernachwuchs ins Theater zu locken.
Weiter so!
Und bitte: „Fahrts alle nach Wien…!
Danke für einen sehr schönen Abend
Tanz der Vampire 12.01.2010
Ich war noch einmal dort – in Oberhausen und habe eine weitere Vorstellung von „Tanz der Vampire“ besucht. Wer hätte das gedacht…
Ich hatte Glück, denn ich erlebte eine ganz andere Besetzung als erwartet bzw. erhofft. Deshalb möchte ich an dieser Stelle kurz die Highlights des Abends erwähnen:
Kevin Tarte als Graf von Krolock sang und spielte als ginge es um sein Leben. Ich hatte ihn in der Vergangenheit nicht so „stark“ empfunden. Mein Kompliment für seine Wandlung. Er ist ein echter Profi und kann seine sehr spezielle Art der Darstellung gut verkaufen. Vielleicht hatte er bei meinem letzten Besuch einen eher schlechten Tag. Diesmal war er wirklich sehr gut. Mein Lieblingsgraf bleibt jedoch Jan Ammann.
Martine de Jager kannte ich bis dato nur aus dem Benefizkonzert: „Helfen heißt Handeln“. Als Rebecca hatte ich zum 1. Mal mit Ihr das Vergnügen. Sie war stimmgewaltig und witzig. Es war eine herrliche Szene, als sie Chagal mit der Salami in Fechtpositur bedrohte.
Eva Maria Bender als Magda hatte ich ebenfalls in dieser Rolle noch nie erlebt. Ihr Können ist über jeden Zweifel erhaben. Schade, dass sie nicht die Hauptrolle der Tracy Turnblad im neuen Musical „Hairspray“ ergattert hat. Sie hätte es verdient.
Maciej Salamon gibt einen etwas anderen Professor Abronsius als seine Kollegen. Er singt seinen Part noch „schräger“ als die anderen. Es machte aber großen Spaß ihm zuzusehen. Auch er war für mich eine Premiere an diesem Abend.
Ein kleiner Höhepunkt waren „Die roten Stiefel“, getanzt von der Chefin selbst, dem Dance-Captain, Kerstin Zinser-Zwanzig, dazu der großartige Csaba Farago.
Es war auch toll wieder einmal Michel Driesse live auf der Bühne erleben zu können. Er schmetterte das Nightmare-Solo mit Riccardo Greco, der an seiner Seite eher verhalten klang.
Und, last, but not least – ein großes Lob für Florian Fetterle, der mittlerweile mit seiner Rolle des Herbert so „verwachsen“ ist, dass man sich gar keine anderen „Götter“ bzw. Herbert-Darsteller neben ihm mehr vorstellen kann.
Danke für einen sehr schönen Abend!
immer wieder schön...
Tanz der Vampire Oberhausen 12.12.2009
Es ist immer wieder schön beim Tanz der Vampire…
Es klingt komisch, aber nach Oberhausen fahren, um dem Tanz der Vampire beizuwohnen, ist ein wenig wie nach Hause kommen. Ich bedaure es sehr, dass die Vampire Oberhausen verlassen werden, aber Stuttgart ist ja nicht aus der Welt, nur hat es nicht den Charme des Ruhrgebiets. Die Abendvorstellung des 12.12.09 wurde ausnahmsweise vom „Ur-Grafen“, Kevin Tarte, gesungen, welcher, meiner Meinung nach, stimmlich sowie schauspielerisch nicht an Jan Ammann heranreicht. Natürlich ist es Geschmacksache, welchen Grafen man favorisiert. Mir ist Kevin Tarte für diese Rolle, trotz Plateauschuhen, zu klein. Es fehlt so das Imposante seiner Statur. Auch fiel mir auf, dass er nicht über die Bühne schreitet bzw. „schwebt“ wie Jan es tut. Er stakst. Am meisten vermisst habe ich die Action, die Jan bei der „Unstillbaren Gier“ an den Tag legt. Es ist immer ein Genuss ihn von den Gräbern kommend – zum Dirigenten „fliegen“ zu sehen, wo er sich kurz vor dem Orchestergraben auf den Boden wirft. (Nicht ganz ungefährlich…) Bei Kevin passierte in dieser Hinsicht leider nichts.
Weiterhin bemerkte ich, dass Kevins Stimmvolumen nicht so gewaltig ist wie Jans. Oder täusche ich mich?
Auf dem Weihnachtsalbum der Musicalgiganten fand ich Kevin Tarte übrigens toll.
Hätte an diesem Abend Jan Ammann gespielt, wäre es eine perfekte Vorstellung gewesen, mal davon abgesehen, dass Ross Mc Dermott in der Nightmare-Szene fast seine Zähne verlor, sie aber gekonnt mit der Zunge wieder auffing. Die Tatsache, dass Kevin mich nicht so überzeugt hat, steht der Ensembleleistung, die umso überzeugender war, nicht entgegen.
Tibor Heger war süß – diese braunen Augen…, manchmal war er etwas zu leise, aber sonst stimmlich und schauspielerisch über jeden Zweifel erhaben.
Linda Konrad war top – wie immer. Zum ersten Mal habe ich bemerkt, dass sie in der Friedhofsszene auch einem Grab entsteigt und die anschließende Ballszene mittanzt.
Sabrina Auer ist trotz ihrer kleinen Statur eine ganz Große. Ein echtes Kraftpaket, was Ihre Stimme anbelangt. Nur in der Abschlussszene fand ich sie diesmal nicht so überzeugend. Möglicherweise war sie da gehemmt, weil das Aufbeißen der Himbeersaftkapseln (=Blut) nicht so funktionierte. Ich meine mich zu erinnern, dass Tibor und sie in anderen Vorstellungen bei dieser Sequenz mehr „Biss“ an den Tag gelegt haben.
Der „Sonnenschein“ des Abends war Florian Fetterle, dem schauspielerisch als schwuler Herbert einiges abverlangt wird. Er war großartig. Er hat diese Rolle toll entwickelt. Ich war ganz zu Beginn der Spielzeit noch nicht sein Fan. Jetzt aber…!
Erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch noch die Gesangssolisten, Riccardo Greco und Maciej Salamon, die ihre Sache ebenfalls super gemacht haben. Sie haben zwei ganz unterschiedliche Stimmen. Aber jeder hat für sich viel Kraft und Gefühl in sein Solo gelegt. Es war ein Genuss!
Für mich war es toll das Zusammenspiel vom Orchester im Orchestergraben und den Schauspielern auf der Bühne hautnah erleben zu können, da ich genau hinter dem „verbindenden Element“, dem Dirigenten, Bernd Steixner, in der 1. Reihe saß. Es ist beeindruckend, was oben, aber auch unten im Theater geleistet wird. Bernd Steixner hat nach der Vorstellung sogar Zuschauerfragen beantwortet. Und, zumindest in der Schlussphase des 2. Aktes, befand sich auch Jakub Wocial, der die Nachmittagsvorstellung gespielt hatte, im Orchestergraben, um seinen Kollegen einfach nur zuzuhören. Ich schließe mich seiner - durch seine Anwesenheit ausgedrückten - Wertschätzung für das Orchester an. Bravo!
War das jetzt das letzte Mal, dass ich in Oberhausen mit den Vampiren getanzt habe???
endlich
Tanz der Vampire 11.04.2009
Endlich … mal wieder zum „Tanz der Vampire“ nach Oberhausen.
Hier ein Bericht der Abendvorstellung vom 11.04.2009.
Am Ostersamstag hätte ich eigentlich ein volles Haus im Metronom-Theater erwartet, jedoch viele Plätze waren leer. Komisch!
Vielleicht lag es an der „Nacht der offenen Tür“, die ein paar Tage zuvor im Theater stattgefunden hatte. Waren viele Fans zu „erschöpft“ oder zu „gesättigt“, um die Reise anzutreten? Oder nahmen die Osterfeierlichkeiten sie so in Anspruch, dass kein Musical Besuch möglich war?
Ich erlebte jedenfalls die komplette Erstbesetzung an diesem Abend, jedoch schienen mir die Stars wie Jan Ammann und Gernot Kranner ein wenig schwächer als sonst. Sie machten keine Fehler, allerdings vermisste ich bei ihnen die absolute Spielfreude. Wohingegen andere Darsteller, die mir in der Vergangenheit nicht so ins Auge gesprungen waren, bei dieser Vorstellung besonders positiv auffielen. Darunter Nele-Liis Vaiksoo als Sarah. Sie sang diesmal nahezu akzentfrei. Heike Schmitz als Rebecca, die ja eine vergleichsweise kleine Rolle innehat, gab ihre Figur der Wirtin mit viel Witz und Profil. Auch gefiel mir ihre „rockige“ Stimme.
Krisha Dalke kam mir vor wie der „Sonnenschein“ an diesem Abend. Er strahlte, shakerte mit Magda, schmachtete nach Sarah, veralberte den Professor und sang mit viel Inbrunst, so dass es eine wahre Freude war ihm zuzusehen. Auch möchte ich einmal Jerzy Jeszke hervorheben, der schon seit Hamburger Tagen einen großartigen Chagal abgibt. Er macht dies mit viel Routine, ist aber nie langweilig. Er hat eine Stimme, die in größeren Rollen noch viel mehr zum Tragen käme. Er war herrlich… Genau wie die beiden Gesangssolisten Riccardo Greco und Michel Driesse, welche hinter der Bühne einige Kostümwechsel zu absolvieren hatten, jedoch jede ihrer Rollen mit viel Engagement präsentierten. Wie Jerzy Jeszke ist Michel Driesse ein Altbekannter aus vergangenen Tanz der Vampire-Tagen. Man hat bei ihm aber nie das Gefühl das seine Rollen sich „abgenutzt“ hätten, sondern er sprüht nur so vor „Frische“. Gleiches gilt für Eva Maria Bender und die Tanzsolistin Kym Boysen, auch sie waren ja bei früheren Produktionen schon dabei.
Da ich in diesem Bericht noch nichts wirklich Gutes über Jan Ammann geschrieben habe, dessen großer Fan ich ansonsten bin, möchte ich abschließend erwähnen, dass ein minutenlanger Blick in seine - durch die Kontaktlinsen herrlich verzierten Augen - genügt hat, den Abend als absolut lohnenswert zu bezeichnen.
Auf ein Neues!
mein favorit
Tanz der Vampire 21.02.2009
Zum 3. Mal reise ich nach Oberhausen ins Metronom-Theater, um beim „Tanz der Vampire“ dabei zu sein. Da ich bei den verschiedenen Vorstellungen immer wieder andere Darsteller erleben konnte, kristallisieren sich nun so langsam meine „Favoriten“ heraus.
Allen voran Jan Ammann. Ich bin zwar ein Fan von Thomas Borchert, den ich für unschlagbar hielt. Sein Graf von Krolock suchte lange Zeit seinesgleichen. Meiner Meinung nach „rockt“ niemand den Tanzsaal so wie Thomas Borchert, doch auch Jan Ammanns Potential ist zugegebenermaßen beachtlich. Die Kraft und Leidenschaft, aber auch die melancholische Seite seines Grafen überzeugten mich schon beim 1. Mal voll und ganz. Abgesehen davon gibt er natürlich auch optisch eine gute Figur ab. Mein Kompliment an die Oberhausener Maske – die roten Augenränder und die weißen Kontaktlinsen dazu machen sein Aussehen noch authentischer. Stimmlich ist er eine Sensation, aber auch schauspielerisch überzeugt er mit viel Ausdruckskraft. Ich fand schon die Darstellung seines Dr. Jekyll / Mr. Hyde in Bad Hersfeld grandios.
Ein bisschen farblos erschien mir Nele-Liis Vaiksoo als Sarah, die zwar schön singt, aber zum einen durch ihren Akzent etwas unangenehm auffällt, und zum anderen auch schauspielerisch die Rolle der Sarah nicht voll ausschöpft. Anne Hoth gibt da eine bessere Figur ab. Krisha Dalke singt den Alfred im Rahmen seiner stimmlichen Möglichkeiten sehr gut, aber auch Riccardo Greco verkörpert diese Rolle mit viel Engagement. Als Abronsius ist der Wiener Ur-Abronsius, Gernot Kranner, mein Favorit. Er zieht alle Register seines Könnens als seniler, zerstreuter Professor. Florian Fetterle als Herbert hat sich im Lauf der Spielzeit deutlich gesteigert und ist herrlich „tuntig“ in seiner Rolle.
Der „Tanz der Vampire“ ist mein unumstrittenes Lieblingsmusical, leider mit Suchtfaktor. Trotz einiger Besuche in der Vergangenheit kann ich mir es immer wieder anschauen und entdecke es jedesmal neu.
Bis September gastieren die Vampire noch in Oberhausen. Wer Jan Ammann noch nie gesehen und gehört hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.
Wohl der Nacht….
Carpe Noctem!
